Lovely Planet: Deutschland
26 Mai 2017

 

Für die Serie mit dem Titel Lovely Planet: Deutschland bediene ich mich einer Präsentationsform, die ich aus einem der populärsten Reiseführer, dem Lonely Planet, ableite. In sieben Hauptkategorien nähere ich mich, so wie es der »Lonely Planet« den Touristen empfiehlt, meinem Heimatland Deutschland. Zu diesen Hauptkategorien zählen: Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten, Shopping, Schlafen, Essen, Transport und geführte Touren.

In den Texten, die ich meinen fotografisch untypischen Reisebildern hinzugefügt habe, denke ich beispielsweise über die Shopping-Möglichkeiten in Bochum nach oder über die neuesten kulturellen Errungenschaften auf Sylt. Die Text-Bild-Kombination stört bewusst die bekannten Seh- und Lesemuster und unterstreicht die Brüchigkeit der Bedeutung der visuellen Zeichen. Zugleich ist diese Vorgehensweise eine Herausforderung an den Fotografen, eine Arbeit über die Annäherung an das eigene Land zu realisieren. Wenn der Betrachter zum Leser wird, werden Fiktion und Realität zu einem Balanceakt. Mal dient der Text dazu, das Bild zu enttäuschen, mal verfehlt oder unterläuft das Bild den Text.

Meine Methode war, dass ich zum einen den Empfehlungen des Lonely Planet gefolgt bin, das heißt mich in die Position des Touristen versetzt habe. Zum anderen habe ich die Position des Touristen verlassen bzw. durch viele eigene Bilder und Berichte das Reiseführerschema wieder verlassen und ergänzt. In der vorliegenden Serie habe ich mich an Orte gehalten, über die wahrscheinlich kein Reiseführer berichten würde. Das gibt mir die Freiheit, triviale Orte zu Reisezielen zu machen. Aus dem spielerischen Umgang mit der Position des Touristen, mit dem Genre der Reisefotografie und der Form des Reiseführers ergab sich eine ironische Distanz zu meinem Herkunftsland, die den Humor, dem ich auf meiner Reise begegnet bin, spiegelt.

 

Dieses Projekt wurde unterstützt von der Ruhrtriennale | Campustriennale.