Lovely Planet: Polen
26 Januar 2017

Ausstellung des European Photo Exhibition Award in den Deichtorhallen | Haus der Photographie Hamburg

Dieses Projekt wurde unterstützt von der Körber Stiftung und ist im Rahmen des European Photo Exhibition Award (epea 03) entstanden.

http://www.epeaphoto.org

 

Für die Serie mit dem Titel Lovely Planet: Polen bedient Jakob Ganslmeier sich einer Präsentationsform, die er aus einem der populärsten Reiseführer, dem Lonely Planet, ableitet. In sieben Hauptkategorien nähert Ganslmeier, so wie es der »Lonely Planet« den Touristen empfiehlt, dem Land Polen an. Zu diesen Hauptkategorien zählen: Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten, Shopping, Schlafen, Essen, Transport und geführte Touren. In den Texten, die er seinen fotografisch untypischen Reisebildern hinzufügt, denkt Ganslmeier beispielsweise über die Shopping-Möglichkeiten in Warschau nach oder über die neuesten kulturellen Errungenschaften in Katowice. Die Text-Bild-Kombination stört bewusst die bekannten Seh- und Lesemuster und unterstreicht die Brüchigkeit der Bedeutung der visuellen Zeichen. Zugleich ist diese Vorgehensweise eine Herausforderung an den Fotografen, eine Arbeit über die Annäherung an das Land zu realisieren. Wenn der Betrachter zum Leser wird, werden Fiktion und Realität zu einem Balanceakt. Mal dient der Text dazu, das Bild zu enttäuschen, mal verfehlt oder unterläuft das Bild den Text. Seine Methode war, zum einen den Empfehlungen des Lonely Planet zu folgen, das heißt sich in die Position des Touristen zu versetzen. Zum anderen hat er die Position des Touristen verlassen bzw. durch viele eigene Bilder und Berichte das Reiseführerschema wieder verlassen und ergänzt. In der vorliegenden Serie hat Ganslmeier sich mich an Orte gehalten, über die wahrscheinlich kein Reiseführer berichten würde. Das gibt ihm die Freiheit, triviale Orte zu Reisezielen zu machen. Aus dem spielerischen Umgang mit der Position des Touristen, mit dem Genre der Reisefotografie und der Form des Reiseführers ergab sich eine ironische Distanz zu seinem Nachbarland Polen, die den Humor, dem er auf seiner Reise begegnet ist, spiegelt. (Text Ingo Taubhorn)